Mai 2026. Klaus Baumdick, 55, saß in Neuruppin vor seinem Bildschirm und starrte auf einen Monitor, den er besser kannte als die meisten Menschen ihr Wohnzimmer. Über zwanzig Jahre war er unterwegs gewesen — in Kriegs- und Krisengebieten, auf Baustellen, in Stellwerken, Tunneln im Neubau, auf Offshore-Plattformen. Spezialist für Transportwesen: Bahn, ETCS, TCMS, ATO. Spezialist für Energiegewinnung: onshore, offshore. Dazwischen: Datenanalyse, Code, und eine Vergangenheit als Blackhat, über die er heute offen spricht, weil sie ihn zu dem gemacht hat, was er ist.
Im Mai 2026 begann er, seine Erfahrung zu bündeln. Als Werkzeugkasten: Was fehlt der Branche? Wo brechen Projekte, weil niemand genau genug hinschaut? Er schrieb es auf. Aus Notizen wurden Skizzen, aus Skizzen Prototypen. Top-Zeugnisse und Referenzen aus drei Kontinenten waren vorhanden — entscheidend war, dass er sie nicht mehr erklären musste, sondern anwenden konnte.
Im selben Monat in Berlin: Natascha Belaya, 45, Testgenie. Sie kam 1997 aus Kasachstan nach Deutschland, hat Systeme zerlegt, die als unzerlegbar galten und Fehler gefunden, für die es noch keine Kategorie gab. Sie wollte nicht länger in starren Rastern arbeiten, sondern dort, wo Genauigkeit zählt und Zeit für Tiefe bleibt.
Was beide eint: Sie sind neurodivergent. Sie denken in Mustern, in Abweichungen, in Systemen, die andere nicht sehen können. Und sie haben beschlossen, diese Stärke nicht länger erklären zu müssen, sondern sie in eigene Produkte zu übersetzen.
Also haben sie es selbst gemacht. Im November 2026 starteten sie Neurodivergentpower. Nicht als Sozialprojekt, sondern als Werkstatt höchstbegabter Menschen. Als ein Projekt, das Teams aus Menschen baut, die dort hinschauen, wo alle anderen wegschauen. Und deshalb Projekte stemmen, die als unmöglich galten.